Der Schwarzbarsch ist schon ein ganz besonderer Fisch. Nicht nur wegen seines einzigartigen, explosiven Drillverhaltens, sondern auch, weil es wohl kaum einen anderen Fisch gibt, für den eine solche Vielzahl an spezialisierten Fangmethoden entwickelt wurde. Ist man einmal vom Bass-Fieber infiziert, lässt es einen nicht mehr los! Für uns ist es also schon zu spät. Wir sind süchtig: nach dem Sport- und Turnierfisch Nummer eins! Darum fahren wir seit Jahren – zusammen oder getrennt – Richtung Süden, um diese Fressmaschinen zu suchen zu finden und zu fangen!

Der „Schwarzbarsch“

Kaum ein anderer Fisch löst bei Sportanglern weltweit eine vergleichbare Faszination aus. Diese gipfelt vor allem in Japan und Amerika, wo höchstdotierte, mehrtägige Turniere vor zehntausenden Zuschauern ausgetragen werden! Aus der Chance, mit einem Turniersieg das große Geld zu machen und Ruhm zu erlangen, der weit über die Landesgrenzen hinausragt, resultiert eine unvergleichliche Professionalisierung. Für jeden Tag, jedes Wetter, jede Temperatur und jede Windrichtung gibt es eigene Montagen, die in Kombination mit dem passenden Kunstköder auch an jenem Tag X die Fische überzeugen können.

Als „Schwarzbarsch“, oder eigentlich Forellenbarsch wird im deutschsprachigen Raum der lat. micropterus salmoides bezeichnet. Denn im Grunde trifft der Name „Schwarzbarsch“ auf eine andere Gattung der Sonnenbarsche zu, dem micropterus dolmieu, welche aber in Europa nicht eingebürgert werden konnte. So hat sich der Name für die einzige bei uns eingeführte Spezies über viele Jahre fälschlicherweise gehalten und durchgesetzt. In seiner Heimat, Amerika, wird er auch liebevoll „Largemouth Bass“ (im Vergleich zu micropterus dolmieu, Smallmoth Bass) aufgrund seines für seinen Körper riesigen Mauls genannt. Weit mehr als ein Viertel des Körpers stellt nämlich allein der Kopf dar.

Der Bass ist ein sehr launischer Fisch. An einem Tag frisst er alles, was ihm vor sein Maul kommt und am nächsten Tag steht ihm scheinbar nichts an. Im Drill ist er ein wahrer Akrobat, der zum Springen neigt. All das macht den Bass weltweit zum Sportfisch Nummer 1.

Bass Hardfacts

  • lat. Micropterus Salmoides
  • Größe: Bis zu 80cm
  • Gewicht: Über 10kg
  • Durchschnittliches Alter: 10-16Jahre
  • Laichzeit: ab ca. 16°C Wassertemperatur (meistens April bis Juni)
  • Verbreitung: Nordamerika, südwestliches Europa, Ostasien, Südafrika, …

Länder und Gewässer

Man muss nicht zwangsläufig Tausende von Kilometer auf einen anderen Kontinent reisen, um diesem Räuber nachzustellen. Da der Schwarzbarsch Ende des 19. Jahrhunderts in Europa eingeführt wurde, kann man ihn auch hier ausgezeichnet befischen. Seiner Biologie entsprechend bevorzugt er allerdings die wärmeren Regionen Südeuropas. Wer also einmal einen Bass fangen will, muss dennoch verreisen. Die wohl besten Destinationen sind Italien und Spanien. Allerdings findet man die Sonnenbarschart auch in Frankreich, Kroatien und Teilen Ungarns.

Für grundsätzlich wärmeliebende Tiere, die aus den subtropischen Regionen Amerikas stammen, sollte das Wasser nicht allzu kalt werden und sich auch im Sommer ruhig erwärmen können, da man sonst nicht mit einer natürlichen Vermehrung rechnen kann. Im Fluss hält sich der Bass auch vermehrt in den strömungsarmen Bereichen auf, da diese oftmals wärmer sind als schnellfließende Abschnitte. Außerdem sollte man immer nach bewachsenen Uferzonen, Schilf, Seerosen, Krautzonen, Bäumen im Wasser, überhängenden Ästen, und allem, wo er sich sonst noch verstecken kann, Ausschau halten. Hier „wohnen“ die Fische, gehen auf Jagd, vermehren sich und verweilen in Fresspausen. Als Faustregel kann man also sagen, dass Bass so gut wie immer in Hindernissen zu finden sind.

Italien – unser Traumrevier

Unser Lieblingsrevier ist seit einiger Zeit Italien. Dort ist er in nahezu jedem Gewässertyp zu finden. Seien es Kanäle, die mitten durch die Stadt verlaufen, kleine Teiche inmitten hügeliger Landschaften oder Großgewässer wie der Gardasee oder der Bolsena nahe Rom. Überall gibt es Bass.

Angellizenzen zu erlangen ist vergleichsweise günstig und unkompliziert. Alle nötigen Informationen bekommt man in lokalen Angelgeschäften Eine Drei-Monatslizenz für die öffentlichen Gewässer der Region Venetien kostet beispielsweise rund 15€.

Unser Plan war es also, die Seen und Teiche Norditaliens unsicher zu machen. Davon gibt es hier wirklich viele! Kleinere Gewässer mit einer Größe von ein paar Hektar bilden ein optimales Revier für die Angelei mit dem Bellyboot. Doch dazu später mehr.

Die Hilfe eines lokalen Guides kann beim ersten Trip nicht schaden, so kann man sich zunächst voll auf das Angeln selbst konzentrieren. Andernfalls bedarf es intensiver Vorbereitung zu Hause: Wo kann man am besten slippen, wo gibt es Versorgungs- oder Parkmöglichkeiten, wo vermeintliche Strukturen. In jedem Fall sollte man sich vorab ein paar Gewässer parat legen. Wenn in einem klaren Teich nach ein bis zwei Stunden weder ein Bass gefangen, noch gesehen wurde, kann man seine Sachen packen und das Gewässer wechseln. Nur nicht den Mut verlieren. Es kann vorkommen, dass man zwei, drei Gewässer abklappert, ehe man endlich willige Barsche findet.

Belly Boat

Für unsere Art der Angelei unverzichtbar sind so genannte Belly Boats oder Float Tubes. Das sind kleine Schlauchboote, in denen man wie in einem Fernsehsessel sitzt und die nur mit Flossen in Bewegung gesetzt werden. Klingt erstmal richtig anstrengend, ist es aber eigentlich nicht, wenn man sich nicht zum Ziel setzt mehrere Kilometer Strecke am Tag zurückzulegen. Wenn man im Frühjahr oder Herbst unterwegs ist, ist eine entsprechende Wathose ein absolutes Muss. Andernfalls würde man mit den Füßen im Wasser schnell unterkühlen.

Die Vorteile die uns ein Float Tube gegenüber dem Uferangeln bieten kann sind enorm. Zum einen erlauben Zusatzoptionen wie einem Rutenhalter, dass man mehr Tackle bequem mit sich führen kann. Zum anderen kann man nahezu lautlos die Uferbereiche anfischen, kommt zu den sonst unzugänglichen Bereichen des Sees und kann Hindernisse oder gesichtete Fische optimal anwerfen. Natürlich muss man im Vorfeld abklären, ob das Bootsangeln erlaubt ist. Außerdem ist es immer wichtig an die Sicherheit zu denken und gegebenenfalls mit einer Schwimmweste aufs Wasser fahren. Besonders die Strömung von Flüssen und Kanälen sollte nie unterschätzt werden!

Unsere Empfehlung ist es also – sofern möglich – immer mit einem Bellyboot auf die Reise zu gehen. Wer vor hat, damit öfter zu fischen, der sollte auch getrost etwas mehr Geld investieren. Man wird es nicht bereuen. Hochwertige Bellyboote bieten doch einige Vorteile. In unserem Fall handelt es sich um das FT 160, das „top of the line“ Modell von Rapala. Durch das strapazierfähige Schlauchbootmaterial ist es sehr stabil und vor allem gegen Äste und Steine sicher. Außerdem ist die Angelposition durch den aufblasbaren Sitz und den großen Auftrieb der beiden Schläuche deutlich höher als bei anderen Modellen, was nicht nur bessere Sicht bedeutet, sondern auch einen Trockenen Hintern – ein oft unterschätzter Vorteil bei kalten Temperaturen. Geräumige, abnehmbare Taschen sorgen für viel Stauraum und Flexibilität.

Bellyboat-Checkliste

Diese Sachen sollte man immer dabei haben, damit der Ausflug mit dem Bellyboot nicht „ins Wasser fällt“. Hat man sie dabei, ist es ein pures Vergnügen, damit zu angeln und die Erfolgsaussichten sind wesentlich höher.

  • Flossen
  • Reperaturkit
  • Wathose
  • Wasserdichter Beutel/Tasche
  • Rutenablage
  • Luftpumpe
  • Tragetasche
  • Tragegurte
  • Ergänzend: Kamera-und Echolothalterung
  • Genug zu trinken

Vorteile eines Belly Boats

  • Schwer zugängliche Bereiche können befischt werden
  • Ermüdungsfreies und Entspanntes angeln möglich
  • Die Möglichkeit viel Tackle dabei zu haben
  • Leicht an einer Stelle verweilen/leichtes manövrieren
  • Einfaches zu Wasser lassen
  • Schneller Aufbau
  • Leichter Transport

Nachteile eines Belly Boats

  • Man braucht eine Wathose
  • Wenn es kalt ist, dann wird es schneller unbequem als vom Ufer aus
  • Benötigt bei Gewässerwechsel etwas mehr Zeit
  • Man kann nicht aufstehen
  • Anstrengend

Köder, Techniken und Tackle

Um alle Köder, Techniken und die dafür notwendigen Ruten und Rollen zu beschreiben, müsste man eine ganze Buchreihe schreiben. Hier und jetzt wollen wir euch nur die Wichtigsten Setups und Montagen vorstellen, mit denen man fast immer und überall Schwarzbarsche fangen kann.

Mit Gummi

Das Texas-Rig

Als unverzichtbare und äußerst flexible Montage hat sich das sogenannte Texas-Rig etabliert. Dieses wird mittels der „Flipping und Pitching Methode“ direkt im Hindernis, sei es Unterholz, Schilf oder überhängende Bäume, präsentiert. Der Aufbau ist dabei wohl den meisten schon bekannt. Beim Angeln auf Schwarzbarsch wird aber in der Regel auf die Glasperle verzichtet und des Weiteren das Bulletweight mit einem Gummistopper fixiert. Dadurch wird das Rig sehr kompakt, absolut hängerfrei und lässt sich hervorragend in kleinste Lücken zwischen Hindernis und Wasseroberfläche schlenzen. Als Gummiköder finden Krebse und Creature Baits in einer Länge von 3‘‘ bis 6‘‘ (7,5 bis 15cm) Verwendung. Dabei sollte man Offset- oder spezielle „Flipping“ Haken in den Größen 1/0 bis 5/0 dabeihaben. Als Alternative zum das Texas-Rig lassen sich auch stabile Skirted Jigs mit Gewichten von 7 bis 21 Gramm hervorragend pitchen und flippen.

Als Hauptschnur kommt ein durchgehendes Fluorocarbon zum Einsatz (Sufix Advance FC). Entsprechend der Rute mit einer Länge von 2,10m bis 2,40m und einem Wurfgewicht von mindestens 30 bis eher 45 Gramm sollte die Hauptschnur dann auch mindestens eine Stärke von 0,30mm beziehungsweise 17lbs Tragkraft haben. Die straffe Rute wird für den kräftigen Anhieb benötigt und um den Fisch so schnell wie möglich aus dem Hindernis befördern zu können. Das dicke Fluorocarbon bietet dabei die absolut unverzichtbare Abriebfestigkeit und Tragkraft. Eine Baitcastrolle mit einer hohen Übersetzung von beispielsweise 8:1 hilft dabei, die Köder zielgenau zu präsentieren und steigert durch den großen Schnureinzug die Effizienz am Wasser deutlich. Eine empfehlenswerte Rolle ist z.B. die 13 Fishing Concept Z SLD (ZSLD2-8.3-LH) mit einer Übersetzung von 8,3:1.

Das Wacky-Rig

Die zweite Montage, ohne die wir beim Bassfishing das Haus nicht mehr verlassen, ist das Weightless Wacky Rig. Mit dieser schwerelosen Methode lassen sich skeptische Fische im Zeitlupentempo aus der Reserve locken. Das Wacky Rig ist wohl die simpelste aller Arten, um auf Schwarzbarsch zu fischen und definitiv die effektivste, wenn es darum geht, möglichst viele Fische zu fangen. Hierbei wird einfach ein Gummiwurm in einer Länge von meistens 4‘‘bis 6‘‘ (10 bis 15cm) mittig auf einem Wackyhaken aufgefädelt. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Haken einen Krautschutz hat, um Hänger unter und über Wasser vermeiden zu können.

Wenn die Fische, selten aber doch, sehr tief stehen, kann anstelle eines gewichtslosen Hakens ein Wacky Jighead verwendet werden. Das sind kleine Jigköpfe, mit etwas Gewicht und großem Hakenbogen. Idealerweise hat auch dieser Jigkopf einen Krautschutz. Die Rutenwahl sollte auch hier speziell ausfallen. Kurze Spinnruten mit einem Wurfgewicht von knapp 20 Gramm sind optimal. Als Hauptschnur wird hier bestenfalls eine 0,10mm bis 0,15mm Geflochtene auf die Stationärrolle gespult. Das Vorfach bildet ein ca. zwei Meter langes Stück Fluorocarbon (Sufix Super 21 FC)  mit einer Tragkraft von rund 5kg an dem der Wacky Haken direkt montiert wird.

Mit Hardbaits

Als dritte und letzte Methode unserer Wahl lässt sich das Fischen mit Topwater und Reaction Baits nennen. Hierbei muss man zwei sehr unterschiedliche Setups mitführen. Zum einen braucht man für alle Köder mit Drillingen, seien es Crankbaits wie der Rapala BX-Brat, Twitchbaits wie der Shadow Rap oder Popper und Walking Baits wie der X-Rap Pop oder Skitter V, eine weiche Rute mit ca. 25 Gramm Wurfgewicht und einer Fluorocarbon-Hauptschnur von ca. 5kg Tragkraft. Das leichtere Setup verhindert ein Aussteigen des Fisches im Drill oder sogar schlimmstenfalls das Aufbiegen der Haken. Außerdem gibt die weiche Rute dem Fisch die Möglichkeit trotz der meist gespannten Schnur den Köder einsaugen zu können. Möchte man weniger Tackle mitführen, lassen sich solche Köder auch alternativ an einer schwereren Wacky-Rute präsentieren.

Reactionbaits

Ganz besonders Twitchbaits – oft unter Schwarzbarschanglern auch Jerkbaits genannt – spielen bei den Reactionbaits eine wichtige Rolle. Sie lassen sich sehr variabel einsetzen: Einerseits kann man mit ihnen schnell eine große Fläche absuchen, andererseits kann man sie auch mit längeren Pausen punktgenau in Zeitlupe präsentieren. Wie der Name Reactionbait vermuten lässt, handelt es sich bei den Attacken auf die zackig geführten Wobbler sehr oft um reine Reaktionsbisse, die durch die Drillinge meist verwertet werden können. Auch das macht Twitchbaits wie die Shadow Raps oder X-Raps von Rapala zu sehr fängigen Ködern, wenn die Fische nicht so richtig in Fresslaune sind. Die Führung der Hardbaits muss stark variiert und den Gegebenheiten angepasst werden. Bekommt man dann einmal auf eine bestimmte Köderpräsentation Bisse, so sollte man dieses Muster länger fortsetzen. Beim Angeln mit Twitchbaits diktieren die Fische, wie gefischt werden muss.

Oberflächenköder

Keinen Platz für Kompromisse bietet dagegen die zweite Kategorie der Reaction- und Topwaterköder: Das Angeln mit Froschimitaten. Hierbei braucht man fast schon übertrieben wirkendes Gerät. Wir verwenden ungefähr 2,25m lange Baitcastruten mit einem Wurfgewicht von ca. 60 Gramm. Als Hauptschnur kommt nur eine Geflochtene infrage und zwar mit einer brachialen Tragkraft von etwa 30kg. Nur eine so dicke Schnur bietet die nötige Abriebfeste und zerschneidet, wenn nötig Seerosen, Schilf und anderes, sollte der Fisch nach dem Anbiss in die Vegetation flüchten. Das Fischen mit dem BX Skitter Frog oder Gummifröschen an der Oberfläche ist die spannendste und reizvollste Methode den Schwarzbarschen nachzustellen. Man hat immer Blickkontakt zum Köder, kann größere Fische selektieren und bekommt im Falle eines Bisses die volle Kraft und Aggressivität der Predatoren zu sehen und zu spüren.

Wir hoffen, dieser kleine Einblick in die Welt des Schwarbarschangelns hilft allen Reiselustigen unter euch, beim Nächsten Angelurlaub erfolgreich zu sein! Man wird einige Fische verlieren, einige Bisse verpassen und viel Lehrgeld zahlen! Hat man aber den Dreh einmal heraus, gibt es kaum eine Fischart die so viel Spaß macht. Wir lieben diese Fische einfach. Und aus diesem Grund werden wir wieder und wieder Richtung Süden reisen, um den tollen Geschöpfen nachzustellen! Wir können es wirklich nur empfehlen, aber Achtung!!! Ist man erst einmal Black Bass süchtig, lässt es einen nicht mehr los!

– Clemens Frank, Andreas Wimmer, Oliver Frömel